HAUTNAH
Beeindruckend wie sich Wachstum und Verfall von Auto und Mensch ähneln. Aus chemischen Grundsubstanzen entsteht ein komplexer Organismus. In Hochform erstrahlt er, zu Glanzleistungen befähigt. Verschleiß, Witterung und widrige Umstände zersetzten die Botenstoffe von Faszination und Lebenswillen. Was bleibt ist ein armseliger Haufen, dazu verdammt, sich in den nächsten Aggregatzustand zu verwandeln. Und hier beginnen die Unterschiede von Mensch und Maschine. Der Homo Sapiens, Zeit seines Bewusstwerdens von Geist und Verstand darauf erpicht die Geheimnisse des ewiges Lebens zu lüften, scheitert bei diesem Vorhaben an sich selbst. Doch sein größter technischer Triumph, die Erfindung des Autos als Fortbewegungsmittel für Massen, ist dem Ziel des ewigen Daseins deutlich näher als er selbst. Hier weiß der Mensch sogar richtig zu dosieren. Nicht alle Fahrzeuge gehen den Gang unendlicher Jugend. 99 Prozent müssen sterben, damit neue Fabrikate ihre Weg auf den Markt finden. Das übrig gebliebene Prozent darf nach einem ereignisreichen Leben zur Frischzellkur. Wir Menschen nennen es Oldtimer und geben ihm ein historisches Kennzeichen. Nüchterner ausgedrückt handelt es sich um einen Fahrzeugbestand, der zum Erhalt von Kulturgut existenzberechtigt ist – Denkmalschutz.




























