Heiligenschein

Ein Auto ohne Motor ist genau wie Paris Hilton – nett anzusehen aber nutzlos. Selbst wer im Alltag über viel PS verfügt, lässt die Motorhaube meistens lieber geschlossen. Ein Motor ist schließlich eine schmutzige Angelegenheit. Öl, Dreck und schlecht geflickte Kühlerschläuche haben selbst Meister Proper erfolgreich in die Flucht geschlagen. Und wer macht da schon sauber, wenn’s doch sowieso keiner sieht. Warum mein Kumpel trotzdem seine Lichtmaschine poliert? Die Antwort auf meine Frage war so einfach wie nahe liegend – er zeigt was er hat. „Frauen tragen nach Brustvergrößerungen schließlich auch keine Rollkragenpullis!“. Wo er Recht hat, hat er Recht. Offene Ansaugtrichter klingen eben nicht nur gut, sie sind auch verdammt vorzeigbar. Außer natürlich dem TÜV-Prüfer gegenüber, der mal wieder an allem etwas auszusetzen hat. Zwischen euch und der Plakette steht ein so schwerwiegender Mangel wie eine fehlende Pluspol-Abdeckung. Verchromen, Polieren, Lackieren oder Vergolden ist hierzulande zum Glück nicht eintragungspflichtig und kommen trotzdem ziemlich gut – gerade an Stellen, an denen man es nicht unbedingt erwartet. Dabei müssen sich Tuning und Alltagstauglichkeit keineswegs im Weg stehen. Bei meinem Motor habe ich zum Beispiel sehr darauf geachtet, gezielt Highlights zu setzen. 40 PS waren zwar selten so schmutzig. Der äußerst schicke, verchromte Ölablassdeckel schafft es aber alle zwei Jahre, den Prüfer gezielt von den Öltropfen unter der Ventildeckeldichtung abzulenken. Norrin Radd