Schaukelstuhl

Zwei GIs fahren mit ihrem Militärjeep durch die badische Provinz. Wahrscheinlich wollen sie ihre Frolleins besuchen. Dieses Vorhaben scheitert, denn in der nächsten scharfen Kurve verlässt der Fahrer das alliierte Vehikel. Das fällt ihm leicht, weil der Jeep keine Türen hat. Also kullert er als Opfer der Fliehkraft samt Klappstuhl auf die Straße. Der Beifahrer, dem Uncle Sam auch nur einen Gartenstuhl gegönnt hat, liegt hilflos im Fußraum und zählt die Sekunden bis zum Aufprall. Schließlich fängt eine Hecke das herrenlose Gefährt sanft auf.
Diese Geschichte hat mir ein Freund erzählt, der 1960 Zeuge dieser ungelenken Darbietung wurde. Seither habe ich ein ganz besonderes Verhältnis zu Autositzen. Das heißt: Ich bin schon froh, wenn überhaupt welche montiert sind. Manchmal philosophiere ich auch über sie. Ist das Wort Sitzwangen einfach nur ein elegantes Synonym für Arschbacken? Und wer braucht eine Mittelarmlehne? Humanoide haben links und rechts jeweils einen Arm, keinen einzigen in der Mitte.
Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Autositze bis heute Bekanntschaft mit meinem Po gemacht haben. Beängstigend waren die klimatisierten Luxussessel, die mir Kaltluft durch den Hosenboden gejagt haben. Mehr Spaß machte die heiße Nummer auf der Rückbank eines Ford Escort. Zwischen den Schenkeln einer Freundin stieg sogar Rauch auf. Ich habe nämlich den Motor abgewürgt, die Karre machte einen Satz nach vorn und meiner Freundin ist die Kippe auf die Rückbank gefallen.  Boxenluder