Systemtafel

„Du bist so oberflächlich, echt.“ „Aber die sieht geil aus!“ „Aber, aber…sind dir die inneren Werte denn völlig egal?“. Nein, das ist keine ganz normale Unterhaltung in der Dorfdisco. Wenn sich kompetente Jury-Mitglieder beim Show`n Shine beraten, dann kann die Karre von außen noch so gut aussehen. Ohne krass veredelten Innenraum ist ein Pokal nicht in Sicht. Dazu gehört neben viel Leder,  ein stilgerecht aufbereitetes Armaturenbrett – landläufig auch Systemtafel genannt. Deutschland wäre jetzt natürlich nicht Deutschland, wenn nicht auch für diesen automobilen Intimbereich präzise Regelungen gelten würden. Neben grundsätzlichen Dingen wie Tacho und Öldrucklämpchen bleibt aber reichlich Platz für Individualität. Findet der Eine einlaminierte Totenköpfe zum Sterben schön, stapeln sich beim Anderen immer noch die Burger King-Kaffeebecher von der Fahrt zum letzten Treffen vor drei Wochen. Eigentlich eine ziemlich persönliche Angelegenheit das Ganze. Im Gegensatz zu den neuen 20 Zöllern könnt ihr mit eurem „Dashboard Confessional“ nicht während dem cruisen vor der Warteschlange besagter Dorfdisco posen, sondern später höchstens vor der Beifahrerin. Leere Kondomverpackungen und die Bravo Hits 18 auf der Ablage, sind eher kontraproduktiv. CD-Wechsler, Ladedruckanzeige und TFT-Monitor dagegen äußerst erfolgsversprechend. Inspirationen wie man’s richtig macht gibt’s hier. Ich bin dann mal weg – Kaffeebecher wegräumen. Norrin Radd