Linientreu
„Zieh Den jetzt an! Keine Widerrede, der war teuer.“. Ich gebe zu, ich bin vorbelastet. Eine Streifen-Phobie sozusagen. Die einzigen Linien, die auf meiner naiven Seele bis jetzt ernsthafte Narben hinterließen, waren die Nadelstreifen auf meinem Kommunionsanzug. Entgegen der Meinung sämtlicher Verwandter über 35 war ich damals nicht der Ansicht, sie machten mich cooler. ich wollte sie loswerden. So schnell wie möglich. Ich hätte ein streifenlos glückliches Leben führen können, hätte ich mich nicht vor zwei Jahren auf einer englischen Autoshow, mit hohem Politur- und Wachsverbrauch pro Quadratmeter, beim HowTo-Workshop verirrt. Neben „Motorenbau leichtgemacht“ gab es stündliche Vorführungen bei „Pinstriping für Anfänger“. Ich kam gerade richtig. Den Zierstreifen eine zweite Chance zu geben, kam plötzlich. In weniger als zwei Minuten und mit einer Farbe schaffte es dieser Typ, nein Künstler, besser noch, Magier, ein simples Stück Holz in das geilste Teil seit Erfindung des selbstreinigenden Backofens zu verwandeln. Nach fünf Minuten und mit viel zu wenig Farben später, war ich bereit für das gleiche Stück Holz die Mona Lisa zu verkaufen. Hätte sie mir gehört. Streifen, egal ob zur Betonung von Konturen oder als krasse Freestyles auf Kotflügeln, können etwas vollkommen ruinieren. Etwa mich, oder richtig eingesetzt, eine coole Karre zum Styler-Mobil mutieren lassen. Aber, auf die Dosierung kommt es an. Norrin Radd















