Urban

Mein erster Satz zum Eintritt in die urbane Welt ging vom Badezimmerspiegel aus. Nach heimlichen Übungen hörte sich das so an: „Ein Big Mäc Maxi-Menü bitte, ein großer Erdbeer-Milchshake mit Majo. Alles zum mitnehmen bitte!“ Es war nicht meine erste Mc-Bestellung. Trotzdem war alles anders. Es war das erste Mal am Drive-In. Ich saß aber hinterm Steuer mit frisch gedrucktem Führerschein, Mamas Autoschlüssel und großen Appetit. Wer noch nie in seinem Leben die Gelegenheit hatte, einmal auf dem Land zu wohnen, weiß nichts von den Unwegsamkeiten, unmotorisiert einen Fast Food-Tempel zu erreichen. Aber viel schlimmer ist: ohne Auto kann man dort wirklich nur essen. Das Fahrrad hat keine Frontschürze. Auf dem Parkplatz mit offenen Fenstern nicht laut Audioslave hören? Muttis Twingo Sport-Edition war nicht der Inbegriff eines coolen Schlittens, trotz 13 Zoll Alus, Koni-Fahrwerk und Doppelendrohre. An diesem Tag war ich allerdings stolz wie Oskar. Mamas rollender Einkaufswagen sah noch nie so gut aus wie an jenem Abend. Ich musste einfach Fotos machen. Kein Auto dieser Erde schafft es, auf einem Ikea-Parkplatz zur Rushhour sein volles Potential zu entfalten. Ein verlassenes Industriegebiet bei Sonnenuntergang macht da schon mehr her, oder eben ein McDonalds-Parkplatz. Zumindest gilt das für Twingos. Der war Dank den Fotos bei autoscout24 nämlich bereits nach zwei Tagen Geschichte. Norrin Radd