
KRAFTWERK IM KRAFTWERK
Eine Theorie besagt, nichts geschieht zufällig. Im Fall von Kraftwerk zielt die Absicht auf das Jahr 1976. Ralf Hütter zeichnet Start- und Motorlaufgeräusche seines VW T2-Transporters auf ein Band. Ralf, Jahrgang 1946, ist einer der beiden Köpfe der Düsseldorfer Musikarbeiter – ihre eigene Wortschöpfung. Seine Aufzeichnungen verwenden die Elektro-Pioniere für die Anfangssequenz von „Autobahn“. Das Lied der gleichnamigen LP macht sie weltweit bekannt. Im dazu produzierten Videoclip spielen alte Volkswagen mit, vorwiegend Käfer. Der Boxer wird zum Glücksbringer. Das Symbol deutscher Massenmotorisierung gepaart mit der Wohlstandsikone, eine Mercedes Flosse, brennen sich unauslöschlich in das Bewusstsein ihrer damals weltweit wachsenden Fangemeinde. Das Wort Autobahn hält sogar Einzug in den amerikanischen Wortschatz. An der Westküste sind Volkswagen in diversen Jugendkulturen verbreitet wie nirgendwo anders. 33 Jahre später spielen Kraftwerk im Heizkraftwerk in Wolfsburg, das den VW-Fabriken Energie liefert. Eine Hälfte ist umfunktioniert. In der Energiezentrale stehen noch Generatoren, die denselben Maschinen Strom geliefert haben, mit denen Millionen Käfer zusammen gebaut wurden. Inzwischen gehört der VW zum deutschen Kulturgut. Kraftwerk auch. Ist es Zufall, dass alle drei Konzerte, die das Quartett am 25. und 26. April im Rahmen der Movimentos-Festwochen gegeben haben, nach kürzester Zeit ausverkauft waren?






