
MESSINGZEIT
Zierrat gehört zum Auto wie Schmuck an eine Frau, gemäß der Faustregel: je üppiger desto betuchter sein oder ihr Eigner. Wer es sich um die vorletzte Jahrhundertwende leisten konnte, bestellte seinen Wagen, der mehr einer Kutsche glich, mit Hupe und Lampentöpfen aus Messing. Der Glanz jener Zeit imitierte nicht nur mit Vorliebe Gelbgold, es war auch gar nichts anderes verfügbar. Erst Mitte der 20er Jahre löste die farblose kalte Optik von Nickel die Messingära ab. Kurz darauf folgte der Chromauftrag, mit dem bis heute Akzente gesetzt werden. Wieder einmal war es der technische Fortschritt, der dazu führte, dass man nicht mehr Messing polieren musste, was damals unausweichlicher Bestandteil von Reinlichkeit war. Wer es sich leisten konnte hatte einen Polierer, ein normaler Beruf wie etwa der Gasriecher. Der Chromauftrag änderte alles, was zum Aussterben dieses Berufesstandes führte. Kein Grund zum Jammern, denn nach der Messingzeit gab es den neu geborenen Galvanik-Fachmann.






