SCHALLWELLE

SCHALLWELLE

Es muss eine Zeit gegeben haben, als Auto fahren an sich einen befriedigenden Unterhaltungswert gehabt haben muss – freie Fahrt auf freier Strecke. Heute ist alles anders. Steht kein Porsche auf der Einkaufsliste sind es raffiniert ausgeklügelte Soundsysteme für durchschnittliche Blech-Konfektionen die als schlagkräftige Argumente eingesetzt werden um Kaufanreize zu schaffen. Vielleicht hat es etwas mit einem ansteigenden Verkehrsaufkommen zu tun. Zäh fließender Verkehr oder Staus reihen sich während vieler Reisen aneinander wie eine Polonaise – nur nicht so lustig – lähmen statt dessen den Vorwärtsdrang, der dem Menschen eigen ist. Das Bedürfnis etwa während des Berufsverkehrs den Lautstärkeregler der Anlage aufzudrehen, dürfte als nicht sonderlich fremdartiges Verhalten verstanden werden. Musik, egal welche, hilft den Aggressions-Pegel zu betäuben. Es gibt sie also noch, freie Entscheidungen, die etwa Bus- und Straba-Pendlern vorenthalten bleiben. Und der Gasfuß ist auch nicht mehr das für was wir ihn aber noch halten. Treibstoffkosten, Tempolimits und stetig steigende Bußgelder zwängen uns in ein Vernunft-Korsett. Also eröffnet uns eine besondere Sparte der Unterhaltungsindustrie eine reichhaltig gedeckte Produktpalette, die auf Europas größter Car-Hifi-Messe kredenzt wird. Sinsheim heißt jetzt Köln, weil einflussreiche Industriemanager den badischen Standort zwischen Mannheim und Heilbronn nicht mehr attraktiv fanden, wechselte die Branche den Stammsitz ihrer Leistungsschau an den Niederrhein. Bitte ein Kölsch!