RETRO CLASSICS

RETRO CLASSICS

Oldtimer-Fans neigen dazu, die aktuelle Modellpalette der jeweils noch verbliebenen Erzeuger als Einheitsbrei zu verteufeln. Heute sehen alle Autos gleich aus, sagen sie. Das ist langweilig. Das war aber schon immer so. Zu Beginn der Massenkultivierung des Automobils zeichnete sich bereits ein vereinheitlichtes Bild der Designs ab. Man muss nur als unbedarftes Greenhorn auf die Retro Classics nach Stuttgart kommen. Ohne Wissen über die Modellvielfalt vergangener Jahrzehnte zu verfügen, besteht die unausweichliche Notwendigkeit jede Infotafel zu überfliegen, um sich einen Grundstock der Geschichte zu erarbeiten. Aha, das ist ein Ford T. Der sieht im Grunde genommen genauso aus wie der Chrysler neben dran, oder der Peugeot am anderen Ende des Ganges. Der Prähistoriker weiß: sie stammen aus der selben Ära, also um die 20er Jahre herum. Diese Gleichartigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte. Ausnahmen bestätigen die Regel? Stimmt. Ein Ferrari oder Bugatti unterscheidet sich von seinen Altersgenossen anderer Marken erheblich. Schon früher war es der Preis ausschlaggebend, der den feinen Unterschied ausmachte. Das hat sich beim Erhalt der mobilen Kulturgüter nicht geändert. Die Restauration eines 356er Porsche ist teuer wie die eines 55 SL. Die Rekonstruktion eines Borgwart Isabella ist erheblich billiger als die eines Jaguar XK 140. Eine 65er Käfer-Limo saugt seinen Besitzer längst nicht so aus, wie ein Bentley gleichen Alters. In 50 Jahren wird ein Golf 6 weniger bringen wie ein Porsche 997.