
Headbanging
Der Kalte Krieg hat sie gebracht. Sowjetische Abfangjäger und Jabos zündeten über Finsterwalde ihre Nachbrenner beim Start ins Manöver, zu Erkundungsflügen oder testweise mit Nuklearwaffen bestückt Richtung Klassenfeind Kurs Westen. Zu DDR-Zeiten war der von Einheimschen Russenflugplatz genannte Fliegerhorst eine hermetisch abgeriegelte Sperrzone. Der Kapitalismus hat sie dann genommen. Rund zehn Jahre nach Verkündung blühender Landschaften auch in der Lausitz, hat sich ein Grüppchen Ölboomnostalgiker formiert, an den bombensicheren Hangars künftig Auto- und Motorradrennen zu veranstalten. Statt Strahlentriebwerke dröhnen seit acht Jahren Flatheads über die Betonpiste. Skurile Vehikel, teils rostend, teils grundiert, versprühen ungeachtet ihres CO2-Ausstoßes charmanten amerikanischen Pioniergeist. Damit das auch so bleibt, herrschen ein Paar strenge Reglen. Alle Boliden müssen vor 1959 gebaut worden sein. Obendrein wird Stilpflicht gefordert. Customs und Hot Rods müssen zeitgenössischen Stilelementen der 40er und 50er Jahre entsprechen. Dafür können alle geprüften tollkühnen Kisten von ihren Piloten gratis auf die Oldiefete. Wer Lust verspürt und einen Startplatz ergattert, kann beim 1/8-Meilesprint der Gravitation entgegen wirken – historisch abgesichert. Die klassisch bevorzugte Distanz aus der Urzeit des Autoaufmöbelns haben die Hot Heads East auserkoren. Die meisten der Rods am Platz sind älter als ihre Pfleger. Über fünfzig Jahre alte Fords und Chevys trotzen im Waltons-Look für ein Wochenende der Moderne. Selbst das Publikum passt die Kleidung der Zeit an. Der renovierte Tower hat Glück gehabt. Heiße Öfen und Tätovierungen haben die kalten Krieger abgelöst. Fotos: Ronny Waleska. http://oldhotrodparts.de/hotheadseast/hallo.html






