XS Carnight 09/08

XS Carnight 09/08

Hertha S. (69) geht regelmäßig zum Kaufpark. Für die Enkel besorgt sie Kleinigkeiten. Etwas Nahrung kauft sie in einem der vielen Geschäfte. Dann schlendert die Rentnerin durch die mehrstöckige Passage, genehmigt sich einen Eiskaffee. Mnachmal auch ein Stück Kuchen. Samstage im Kaufpark sind schön. Hertha S. wohnt seit 31 Jahren in einer Platte ganz in der Nähe. Saniert. Das war auch überfällig, erzählt sie Inge, ihrer Nachbarin, die sie beim Shoppen trifft. Danach gehen sie zum Parkplatz. Es ist kurz nach acht an diesem Samstag. Hertha hört laute Musik, die aus einem der überdachten Parkdecks dringt. Überall Leute, die  parkende Autos anschauen. Es wird immer voller. Hertha S. wird neugierig. Sie lässt ihren Daihatsu zurück und stürzt sich ins wachsende Getümmel. Die Autos, die von vorwiegend Jugendlichen umlagert werden, sehen anders aus, als sonst. Autos interessierten  sie normalerweise nicht. Aber diese hier, denkt Hertha S., sehen seltsam aus. Die Autos, obwohl sie Räder haben, liegen alle fast auf dem Boden. Manche haben spiegelglänzende Räder. Andere haben seltsame Eisenstangen innen. Wieder andere sehen aus, als kämen sie vom Schrottplatz, so vergammelt sehen scheinen sie zu sein. Aber viele von den jungen Leuten machen Fotos davon. Etwas liebevolles haben diese Autos ja, überlegt Hertha. Aber dann dröhnt etwas hinter ihr heran. Hupt. Sie erschrickt. Dreht sich um. Ganz doll laut brummt das Auto. Drinnen sitzt ein freundliches Gesicht. Die Hand von dem Gesicht winkt Hertha zu. Es ist Wolfgang. Ihr Enkel. Na dann bekommt er zum Geburtstag was schönes für seinen schnittigen Flitzer. Ich schau mal ob ich hier etwas finde. Ein Fell-lenkrad wäre sinnvoll. Für den Winter. Damit Wolfgang an den Händen nicht so friert. Der Junge hat schon als Kind immer kalte Hände gehabt.