MILAN

MILAN

Wenn ich einen slowenischen Lastwagen auf der Autobahn sehe, muss ich immer an Milan denken. Milan ist Slowene. Er fährt nicht Lastwagen, sondern er ist Chefkellner am Wörthersee. Wir sind jedes Jahr im Mai eine Woche lang zum GTI-Treffen in Kärnten. Milan bedient unseren Tisch morgens und abends, tagein, tagaus. Dabei wird er nicht müde, bei jedem Salat, bei jedem Schnitzel, bei jedem Bier, Wasser oder Kaffee die er an unseren Tisch bringt, zu erwähnen, nein zu betonen, was für eine schöne Stadt doch seine Heimatstadt Maribor sei, und dass wir ihn dort unbedingt besuchen müssten, um auf seiner Terrasse mit ihm und seiner Familie Kaffee zu trinken. „Marktplatz Eins“, ruft er dann immer mehrmals, so dass sich seine Adresse inzwischen in mein Gedächtnis eingebrannt hat.
Als wir einmal ins benachbarte Ljubljiana gefahren sind, nur für ein paar Stunden, hat uns Milan bereits am Vorabend ein Besichtigungsprogramm aufgetragen, welches selbst ambitionierte japanische Hetzjagdtouristen nicht in unter einer Woche hätten absolvieren können. Am nächsten Morgen begrüßte er uns mit einem patriotischen Strahlen im Gesicht, und wir mussten genau berichten, was wir alles gesehen hatten...und hoch und heilig versprechen, ihn in Maribor besuchen zu kommen – am Marktplatz Eins!