
THOMAS O.
Thomas O. verbirgt sich nicht absichtlich hinter der zu Materie gewordenen Gebilde, die er erschafft. Man wird beim Betrachten seiner Arbeit einfach hinfort geschwemmt. Arbeit ist es wahrhaftig. Denn obwohl vor einem ein Auto erscheint, kann man sich später nicht mehr daran erinnern, welche Marke oder Modell es gewesen ist. Es handelt sich um eine perfekt zusammengefügte Maschine. Kein Teil davon, das Thomas nicht eigenhändig behandelt hat. Ein bis aufs Wesentliche reduziertes Fortbewegungsmittel. Veredelnde Materialien wirken wie Zuckerguss auf den einst groben Oberflächen – egal ob Schraube oder Schweißnaht. Alle Übergänge fließen ineinander und einst Funktionales ist nur noch schön. Thomas O.´s Genauigkeit entfaltet sagenhafte Blüten. Das Fotoshooting geriet zum Operationszeremoniell. Die gewünschte Sterilität erforderte vom Fotoman akrobatisches Geschick und viel Verständnis für mikroskopisch feine Oberflächen. Thomas O. hat als Erfüllungsgehilfen immer jede Menge weiße Spezialtücher parat, die etwa auf die Käfigstreben zu legen waren, falls eine Hand, eine Fingerspitze mit dem veredelten Rundrohren in Berührung kommen musste. Körperschweiß enthält Salz, Salz auf Metall führt zu Oxidation, schon in geringesten Mengen. Die menschliche Hand mag weich sein, aber 100fach vergrößert hinterlässt jeder Rückstand einen Kratzer auf empfindlichen Flächen, sei es schneeweißer Lack oder mit Harz laminierte Kohlefasermatten. Seine Anweisungen erfolgen aber freundlich. Thomas O. versteht es wie kein anderer, Verständnis für seine Sensibilität zu ernten.






